Dem Tode noch mal entkommen…
Hallo liebe Verwandte, Freunde , Bekannte und Fremde,
Ich hoffe sehr, es geht euch allen im fernen Deutschland gut. Ich hoerte, dass es bei euch langsam waermer wird. J Naja, bei mir wird es hoechstens noch kaelter aber ich hoffe das Wetter laesst sich da noch ein bisschen Zeit…Ich habe ja schon lange nicht mehr geschrieben. Das tut mir leid, man ist eben immer so bechaeftigt.
Bevor ich es vergesse, komme ich mal zu euren Fragen. Die Mangos an den Baeumen kann man wirklich essen, ja. Aber ich habe nicht so ein glueckliches Haendchen im „Mango vom Baum aussuchen“ oder im „Mango kaufen“. Deshalb ziehe ich einen knackigen Apfel, Litschis oder eine Banane vor.. J Auf meinen Reisen im Dezember bin ich immer mit anderen Voluntaeren gefahren. Unter den Schwarzen ist es nicht einfach, Begleiter|innen zu finden. Zum einen haben haben sie eine ganz andere Lebensgestaltung und oft fehlt ihnen auch das noetige Kleingeld. In Swaziland und Durban war ich imit Voluntaeren, welche in Pretoria leben und arbeiten. Kennengelernt haben wir uns alle damals in Hermannsburg bei den ersten Seminar. Im Creche ist alles ganz toll. Die Kinderchen sind einfach knuddelig und ich habe sie schon alle sehr ins Herz geschlossen. Das macht den ganzen Laerm wieder wett.
In vier Wochen ist ja Ostern und ich bin dabei mit ihnen Ostersachen zu basteln. Das macht nicht nur Ihnen Spass. J
An den Wochenenden war jetzt auch immer so viel los, dass die Wochen nur so dahingeflogen sind. Vor vier Wochen, glaube ich, kamen Nathos zu Besuch. Das war eine sehr nette Ueberraschung. Wir verbrachten ein Wochenende zusammen und ich lernte durch sie ganz nette Menschen in Polokwane kennen. Auch Heleen und Louis (weisse Suedafrikaner), die beide ein bisschen aelter sind als ich und in Pretoria sudieren. Mit Heleen ging ich ins Kino und alle zusammen unternahmen wir auch einen Ausflug auf eine nahegelegene Farm. Einem Abend gingen wir essen und ich probierte mal einen Ochsenschwanz.
Ist lecker. J Der Besuch der Beiden war sehr schoen und tat mir sehr gut. Ein anderes Wochenende wurde ich eingeladen mit nach Tzaneen zu fahren. Dort tranken wir einen Kaffee im tea garden, sahen riesengrosse Bananenbaeume und genossen den Ausblick bei den beruehmten Wassserfallen. Herr Meissner ist auch wieder im Land. J Dieser hat doch tatsaechlich leinoel aus Deutschland mitgebracht. Haha. Koennt ihr euch sicherlich denken, wie sehr ich das Abendessen genoss.. Kartoffeln mit Quark und Leinoel.. *Hmmm* Er hat mich auch eingeladen in das Nature Reserve gleich neben Polokwane. Die Miriam aus Mokopane hat uns begleitet. Dieses Reserve ist zwar klein, aber dafuer sehr schoen. Es gibt dort auch Giraffen und Rhinos. Leider haben wir keine gesehen. Dafuer viele andere Tiere, wie Buschbocks, Zebras, Strausse. Auch Heuschrecken auf der Strasse versetzten mich in Begeisterung. Das Reserve ist auch deswegen so schoen, weil es erlaubt ist auszusteigen und zu laufen. Das finde ich persoenlich sehr wichtig, weil ich es nicht mag, die ganze Zeit nur im Auto zu sitzen. Dann habe ich nun endlich, nach langen Rumgebettle von meinem Gastpapa angefangen deutsches Essen zu kochen. Es gab Nudeln mit Tomatensosse (haha, was sonst) und weil es keine negativen Stimmen gab eine Fortsetzung mi Kartoffel / Tomatenauflauf. Ja, ob sie dass schon mal gegessen haben, glaube ich nicht, denn mein Gastpapa bestand darauf, sein Teller in den Kuehlschrank zu stellen. So, nach seiner Ansicht, schmecke es wie Pizza. Mein Gastbruder hat nach dem ersten Probierloeffelchen eine Menge Acha „draufgeknallt“, was natuerlich den ganzen Geschmack verfaelscht. Was ist Acha? Getrocknete Mangos, in Oel eingelgt mit gaaaaaaaaaanz viel Schaerfe. Zur Zubereitung verwendet man noch grueneMangos. Meine Gastmama macht das auch selber und der ganze „Brei“ muss dann einen Monat stehen, bevor man es essen kann. Ich persoenlich mag Acha sehr gerne zu Brot.. Aber zu Auflauf? Naja.. (bissl Afrikafeeling im deutschen Essen
Weil Herr Meissner hier war, hatte ich nun die Gelegenheit zum deutschen Gottesdienst in die Stadt zu fahren. Das war sehr schoen. (bissl deutschlandfeeling in Afrika). Dort traf ich auch auf Herrn Rabiga, einem Deutschen, welcher in Polokwane einen Logde betreibt. Dieser organisiert Touren zum Kruegerpark und bei der naechsten nimmt er mich mit.
JJIch kleiner Glueckspilz, ich.. Joa, die letzte Woche hatte ich nun frei. Da habe ich mir einfach mal Urlaub genommen, um eine Pause von dem Kinderlaerm in Seshego zu nehmen
Am Sonntag bin ich denn mit Heleen und louis nach Pretoria gefahren, die das WE zuhause verbrachten. Am selbem Tag war gerade Celine Dion in Pretoria und wir haben sie singen gehoert, wenn auch von weit weg… J Ich begleitete Heleen in die Uni und durfte auch bei den Vorlesungen teilnehmen, die groesstenteils auf Afrikaans gehalten wurden. Es war interessant, zu sehen, wie in SA studiert wird. Eine Vorlesung geht zum Beispiel nur 40 Minuten. Die Studentenwohnungen von den Jungs durfte ich auch sehen. (sehr gemuetlich muss ich sagen) und der Campus. Dieser ist herrlich. Gross, gruen, wunderschoen. Uebrigesn ist e shier Tradition, dass die Erstsemester auf die Aelteren Studenten hoeren muessen. Mir wurde ein ein Beispel demonstriert. Adam,der Arme war zur falschen Zeit am falschen Ort, musste 20 Mal in die Luft springen und dabei ein Lied singen.. uiuiui.. wer weiss was die alles aushaltem muessen.. hmm.. ist das in Amerika vielleicht auch so??Wir sahen ein Rugby Spiel auf dem Sportgelaende und dort wurde mit echten Eiern geworfen. Nicht ganz ungefaehrlich. Mit Heleen und Louis verstehe ich mich super und ich hoffe, ich werde sie bald wiedersehen. Am Dienstag bin ich nach Jo’burg gefahren. Gewohnt im beruehmten „Dalka-Haus“, zusammen mit 12 anderen Menschen. Weissen und Schwarzen Suedafrikanern, Deutschen, Indern und eine aus Sambia. Monique Dalka, die Besitzerin des Hauses, hatte sich damals so lieb um mich gekuemmert, als ich mir den Ellenbogen brach. Die Atmosphaere in dem Haus war wunderschoen und ich hatte wirklich mal Zeit, am Pool zu sitzen, ein Buch zu lessen, und dabei die Sonne zu geniessen und nicht an irgendwas denken zu muessen. In diesem Haus werden soviele unterschiedliche Sprachen gesprochen und trotzdem ist es eine grosse Familie die mich sehr herzlich aufnahm. Ein Tag nutzte ich, um Jan, Rick und Mandla in Hilbrow zu besuchen. Es tat gut, sie wiederzusehen und sie wohlauf und gesund zu wissen. Ich besuchte ausserdem die Constitution hall, ein altes Gefaengniss der Aparheidszeit. Auch Winnie Mandela (die zweite Frau von Nelson Mandela) sass dort gefangen. Die Fuehrung war sehr beeindruckend. Vieles hat mich an die Konzentrationslager in Deutschland denken lassen. Ich hatte eine sehr erholsame Zeit im Dalka Haus und es war genau die Pause, die ich brauchte. Am Freitag wurde ich abgeholt von Freunden, die in Makhado (alter Name Louis Trichardt) wohnen. Nebenbei bemerkt, die Suedafrikaner aendern ja so gerne ihre Stadt-und Strassennamen – kann manchmal echt verwirrend sein. Familie Rauch (damals in den 70igern nach SA ausgewandert) betreiben in den Zoutpansbergen bei Makhado eine Farm mitten in dem Busch Suedafrikas. Sie haben vier Schaeferhunde und ganz viele Pferde. Auf dem ganzen Gelaende gibt es aber auch die natuerlichen Wildtiere, wie Buschbocks, Affen und ganz speziell dort Leoparden. Das Haus und das Gelaende ist aber nicht abgezaeumt , was mich am Anfang zweifeln liess. Waer ja nicht das erste mal, dass man mich reinlegt. Naja, stimmt aber!! Als ich einen Spaziergang durch die Wildnis machte traf ich naemlich auf einen, drei Meter von mir entfernt, der sich von mir erschrocken, schnell in das Unterholz zurueckzog. Puhh.. Glueck gehabt, er war wohl nicht hungrig.. Also, ganz ehrlich, Herzklopfen hatte ich schon.. Aber natuerlich,echt krass, echten Leoparden.. Eine Nacht planten wir einen Ausflug auf einen der vielen Berge. Zu viert, mit einen kleinem Jeep gings dann hoch den Berg, durch suedafrikanischen Busch.. Oben angelangt, Holz suchen fuer Feuer. Fuehlte mich wie ein echter kleiner Indianer und steckte all die Schrammen und Kratzer von den Dornenbueschen ein. Um den Sonneuntergang zu betrachten suchten wir uns ein huebsches Plaetzchen an dem Rand des Berges. Vor uns gings 400 Meter in die Tiefe (uiui, nicht nach unten gucken). Geschlafen haben wir dann neben dem Feuer in Schlafsaecken, unter uns roter suedafrikanischer Sand..Naja, dreckig waren wir nun eh schon. Um 5:30 wurden wir von der aufgehenden Sonne geweckt. Das Zweite mal, dass ich den Sonnenaufgang sah. Hoch in den Bergen – wunderschoen- Es ist so still dort oben, nur die Geraeusche der Natur… Unglaublich. Und – zum Glueck- die Leoparden waren immer noch nicht hungrig.. Fruehstueck gab es auf der Farm, und was gab es ? Deutsche Bretzel und deutsche Koernerbroetchen vom deutschen Baecker in Pretoria („die Backstube“) mit selbstgemachten Schinken und Wurst von der Farm, dazu Pflaumenkuchen. Na, wenn das kein 5 Sterne Fruehstueck ist.. jaja, ich lerne deutsche Produkte mehr schaetzen. Es gibt aber auch sehr gute Suedafrikanische Produkte, die ich sehr vermissen werde, wenn ich erst wieder zuhause bin. Sonntagnachmittag sind wir wieder heim gefahren, nicht ohne uns gebuehrend von den Hunden zu verabschieden und festzustellen, dass es in SA Quittenbaeume gibt. Oben auf dem Berg wurde mir sehr viel erklaert, ueber die vielen verschiedenen Pflanzen, Baeume und Tiere. Jaja, da kommt wohl doch noch die Foersterstochter durch.. J
So, waehrend ich mein Leben in SA in vollen Zuegen geniesse, gehen die Studenten in Pretoria auf die Strassen um fuer besser Bildungsmoeglichkeiten zu protestieren. Schueler einer Primary school sammelten 70.000 Rand um damit ein Zeichen gegen Gewalt zu setzten. Jacob Zuma, der im Dezember zum Chef des ANC (African National Congress) gewaehlt wurde, verbietet weissse Journalisten die Teilnahme an einer Pressekonferenz. Das Stromproblem bleibt weiterhin bestehen bis neue Krafwerke gebaut werden, aber immerhin gibt es nun einen Plan, wann wo der Strom weg bleibt. Nebenbei streiten sich die Politiker wieviel Geld nun fuer Soziales und Gesundheit ausgegeben werden sollte. Getrauert wird um ein Fernsehstar von der Soap „Isingo“. Sie ist bei einen Autounfall ums Leben gekommen.
Meine Gastcousine erwartet im April ihr zweites Kind – es wird ein Maedchen. Ihr Sohn, Malose, geht in meinen Creche und er ist das einzige Kind, welches mich nicht mit Teacher Kathrin, sondern liebevoll mit „Sisi“ – Schwester anredet.
Meine Lieben, das war nun doch unerwartet wieder ganz schoen viel. Ich hoffe, ich konnte euch einen kleinen Eindruck von meinem Leben uebermitteln..
Bleibt mir gesund und behuetet,
Eure Kathrin